Play Safe Guides — Betprimeiro
Warnzeichen
Glücksspiel wird dann problematisch, wenn das Spielen nicht mehr aus Freude, sondern aus Zwang oder zur Verlustkompensation geschieht. Typische Warnzeichen sind: steigende Einsätze, um frühere Verluste auszugleichen; Verheimlichung des Spielverhaltens vor Partnern oder Familienangehörigen; vernachlässigte berufliche Pflichten; Kredite oder Darlehen, die zur Finanzierung von Einsätzen aufgenommen werden; Reizbarkeit, wenn das Spielen unterbrochen wird. Treten mehrere dieser Punkte zu, raten wir dringend zu einer professionellen Beratung. Problematisches Spielverhalten entwickelt sich häufig schleichend. Spieler bemerken erst spät, dass sie bereits Geld verliehen haben, das sie nicht zurückzahlen können, oder dass sie Verabredungen absagen, um Zeit am Automaten zu verbringen. Ein Warnzeichen ist auch das sogenannte Chasing: der Versuch, nach einem Verlust durch höhere Einsätze schnell wieder in den Pluspunkt zu kommen. Mathematisch ist dieses Vorgehen aussichtslos, psychologisch jedoch sehr wirksam. Wer bei sich selbst diese Verhaltensmuster bemerkt, sollte als erstes das Konto bei allen Betreibern vorübergehend sperren und ein offenes Gespräch mit einer vertrauten Person suchen. Zu den weiteren Warnzeichen zählen: Schlafstörungen oder Reizbarkeit nach Spielsessions, finanzielle Verheimlichungen vor Partnern, Verlust des Interesses an Hobbys und sozialen Kontakten, Kontrolleinbußen beim Umfang und bei der Dauer des Spielens. Eine international anerkannte Checkliste ist der sogenannte Lie-Bet-Test der American Psychiatric Association: Zwei einfache Fragen – ob Sie jemals geschwindelt haben, wenn es um Spielausgaben ging, und ob Sie jemals mehr gespielt haben als geplant – reichen als erste Selbsteinschätzung. Wer eine dieser Fragen mit Ja beantwortet, sollte ein professionelles Erstgespräch in Erwägung ziehen.
Hilfs-Hotlines
In Deutschland erreichen Sie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) rund um die Uhr unter 0800 1 37 27 00 – anonym und kostenfrei. In Österreich steht die Spielsuchthilfe unter 01 544 13 57 zur Verfügung; in der Schweiz die Spielsucht Radix unter 0800 040 080. Für akute Krisensituationen ist der Rettungsdienst 112 die richtige Nummer. Zusätzlich bieten die Suchtberatungen von Caritas, Diakonie und der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen in jedem Bundesland Präsenz-Termine an. Zusätzlich zu den genannten Nummern bietet die Caritas in jeder deutschen Diözese eine kostenlose Suchtberatung – häufig auch mit anonymen Online-Angeboten. In Berlin und Hamburg stehen die Fachstellen der Diakonie zur Verfügung; in Bayern koordiniert die Landesstelle Glücksspielsucht (lsgbayern.de) die Beratungsstellen in München, Nürnberg und Augsburg. Für Angehörige vermittelt die Beratungsstelle Gluecksspielsucht in Mecklenburg-Vorpommern (gluecksspielsucht-mv.de) telefonisch Erstgespräche. In Nordrhein-Westfalen koordiniert die Fachstelle Glücksspielsucht Westfalen (gluecksspielsucht-westfalen.de) ein regionales Netzwerk mit über 50 Beratungsstellen; in Niedersachsen übernimmt diese Aufgabe die Landesstelle für Suchtfragen (nls-online.de). Für den Osten Deutschlands stehen die Beratungsstellen der AWO und des Deutschen Caritasverbands in Dresden, Leipzig und Chemnitz zur Verfügung. Die Erstberatung ist in all diesen Fällen kostenfrei und benötigt weder Überweisung noch Krankenversicherungsnachweis.
Limits und Werkzeuge
Jeder lizenzierte Betreiber in Deutschland und Österreich stellt im Spielerkonto Werkzeuge zur Selbstbeschränkung zur Verfügung: Einzahlungslimits pro Tag, Woche oder Monat, Einsatzgrenzen pro Spielrunde, Session-Zeitbegrenzungen, Reality-Checks und Pausenfunktionen. Zusätzlich kann jeder Spieler sich im zentralen Register OASIS (für Deutschland) oder beim österreichischen Selbstausschluss sperren lassen – die Sperre gilt dann für alle am System angeschlossenen Betreiber. Ergänzend bieten die meisten Betreiber den sogenannten Panikknopf: ein Button im Spielerkonto, der das Konto sofort für 24 Stunden sperrt. Diese Pause gibt Zeit, einen klaren Kopf zu bekommen, bevor eine erneute Einzahlung erfolgt. Die Pausenfunktion ist nicht reversibel – das ist Absicht und Teil des Schutzkonzepts. Wer die Pause erst in Anspruch nimmt, sollte in der Zeit das Beratungsgespräch mit einer Fachstelle vereinbaren und nicht nur das Guthaben entladen. Zusätzlich zu den im Spielerkonto hinterlegten Limits lässt sich bei fast allen Betreibern ein Reality-Check einrichten: Nach einer festgelegten Spielzeit (etwa alle 30 oder 60 Minuten) erscheint ein Hinweisfenster mit der bisher gespielten Zeit und dem aktuellen Guthaben. Diese Fenster wirken nachweislich: Studien zeigen, dass Spieler nach einem Reality-Check das Spiel deutlich häufiger beenden als ohne diesen Hinweis. Nutzen Sie diese Funktion aktiv – auch wenn der zusätzliche Klick zunächst lästig erscheint.
Wo Sie Hilfe finden
Erste Anlaufstelle ist die kostenfreie Online-Beratung von spielen-mit-verantwortung.de – anonym per Chat oder E-Mail, meist mit Antwort innerhalb eines Werktags. Für persönliche Gespräche vermitteln die regionalen Suchtberatungsstellen Termine. Zusätzlich bieten die Anonymen Spieler (GA) Selbsthilfegruppen an mehr als 200 Standorten in Deutschland an – eine Übersicht finden Sie unter anonyme-spieler.org. Für Angehörige steht die Angehörigengruppe GamAnon zur Verfügung. Für Jugendliche und junge Erwachsene empfehlen wir ergänzend das Beratungsportal check-dein-spiel.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; es bietet anonyme Selbsttests, Chatberatung und einen Kontaktbaum zu wohnortnahen Angeboten. Für Angehörige steht neben GamAnon auch das Portal spielerschutz.at (Österreich) und sos-spielsucht.ch (Schweiz) mit mehrsprachigen Angeboten zur Verfügung. Wichtig ist, dass Sie den ersten Schritt nicht allein gehen: ein Gespräch mit einer Beratungsstelle ist kostenfrei, anonym und völlig unverbindlich. Falls Sie unsicher sind, welche Beratungsstelle für Sie passend ist, empfiehlt sich zunächst ein anonymes Erstgespräch über die bundesweite Beratungstelefon-Nummer 0800 1 37 27 00. Die Beratenden dort kennen die regionalen Angebote und können Sie direkt an eine wohnortnahe Stelle vermitteln. Bei konkret finanziellen Problemen (Schulden durch Spielverluste) empfehlen wir ergänzend eine kostenlose Schuldnerberatung – auch diese wird von Caritas, Diakonie und der Verbraucherzentrale in jeder größeren Stadt angeboten.
